Was ist die Drei-Punkt-Kommunikation und wie setze ich diese Technik im Coaching ein?

Sprechblase mit drei Punkten symbolisiert die Drei-Punkt-Kommunikation

“Don’t kill the messenger!” war früher ein durchaus angebrachter Hilferuf, denn die Überbringer schlechter Nachrichten wurden in voran gegangenen Jahrhunderten ja gerne mal geköpft oder anderweitig um die Ecke gebracht… Wenn sie die Drei-Punkt-Kommunikation angewendet hätten, wäre das nicht passiert! Denn die Drei-Punkt-Kommunikation ist eine einfache Technik, um kritische Botschaften so rüberzubringen, dass dein Gegenüber sich nicht angegriffen fühlt.

In diesem Blogbeitrag liest du, warum sich die Drei-Punkt-Kommunikation so gut eignet, um kritische Gesprächssituationen im Beruf und im Privatleben zu entschärfen. Außerdem verrate ich dir, wie ich die Technik im Coaching anwende, um dir das Gespräch über möglicherweise belastende Themen so einfach wie möglich zu machen.

Zwei-Punkt-Kommunikation: große Nähe, große Emotionen

Ein Gespräch zwischen zwei Personen findet üblicherweise als Zwei-Punkt-Kommunikation statt. Dabei sitzen sich die Beteiligten gegenüber und können sich in die Augen sehen. Das kann die Familie beim Abendbrot sein, das Jahresgespräch bei der Chefin im Büro oder der kurze Schnack mit dem Nachbarn am Schrebergartenzaun. Direkter Blickkontakt bedeutet Nähe, manchmal auch Vertrauen und Intimität. Das ist vorteilhaft bei entspannten Themen. Aber sobald Konflikt-Themen besprochen werden, kann sich daraus eine schwierige Situation entwickeln.

Wenn Menschen sich von jemandem angepiekt fühlen, verändert sich häufig ihr Bedürfnis nach Distanz. Die bislang angenehme Nähe durch den Blickkontakt kann dann plötzlich zu nah sein.

Zwei-Punkt-Kommunikation: Beziehungsebene und Sachebene sind gleich ausgerichtet.

Wut, Ärger, Rebellion – wenn diese Gefühle aufkommen, während dir jemand direkt in die Augen schaut, ist es nur eine Frage von Millisekunden, dass sich der Ärger nicht mehr nur auf die Sache bezieht. Das hat unter anderem neuropsychologische Gründe. Wenn Sachebene und Beziehungsebene dieselbe Richtung haben, werden bei der Wahrnehmung dieser Ebenen dieselben Zellen aktiviert. Das heißt: Wenn auf der Sachebene Wut entsteht, überträgt sie sich automatisch auf die Beziehungsebene.

Deswegen wird bei der Zwei-Punkt-Kommunikation von jetzt auf gleich das heftige, unangenehme Gefühl auch mit dem Menschen verknüpft, der die schlechte Nachricht überbracht hat. Keine gute Ausgangsbasis für ein lösungsorientiertes Konfliktgespräch.

Drei-Punkt-Kommunikation: Sachebene von Beziehungsebene trennen

Diese Verknüpfung vom Ärger über die Sache mit der persönlichen Beziehung kannst du durch einen einfachen Trick verhindern: Wenn du glaubst, dein Gegenüber könnte sich durch deine Kritik angegriffen fühlen und wütend werden, schaust du die Person bei dem Thema nicht direkt an, sondern beziehst einen dritten Punkt zusätzlich zu euch beiden ein.

Bei der Drei-Punkt-Kommunikation gucken die beiden am Gespräch beteiligten Personen sich nicht direkt an, sondern schauen in eine gemeinsame Richtung, auf einen bestimmten Punkt im Raum oder auch in der Ferne. Das Gespräch wird über diesen Visualisierungspunkt geführt. Die gute Beziehung zwischen dir und der anderen Person bleibt erhalten, denn das Gehirn nimmt die Sachebene physisch an einem anderen Ort wahr als eure Beziehungsebene. Damit ist auch der Ärger entkoppelt von dir als Person.

Drei-Punkt-Kommunikation: Beziehungsebene und Sachebene sind voneinander getrennt.

Berufliche und private Konflikte entschärfen mit der Drei-Punkt-Kommunikation

Wenn du z. B. eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter auf sinkende Absatzzahlen ansprichst, kannst du ein Blatt Papier zum Einsatz bringen, auf dem Angaben aus den letzten Monaten notiert sind. Jetzt liegt dort der Fokus und ihr müsst euch nicht in die Augen sehen. Die Chance auf ein entspanntes Gespräch steigt, da du von der Beziehungsebene auf die Sachebene ablenkst – und das auch visuell. Das Gleiche gilt für Streitgespräche über Zahnpasta-Reste im Waschbecken, nicht geleerte Mülleimer und sogar beim leidenschaftlichen Austausch über das politische Tagesgeschehen.

In diesem kurzen YouTube-Video kannst du dir ansehen, wie überraschend gut dieser einfache Kniff wirkt. Darin erklärt ein Unternehmens-Coach noch einmal die Drei-Punkt-Kommunikation und demonstriert sie auch mit einem Beispiel.

Drei-Punkt-Kommunikation als Methode in meinem Coaching

Warum die Stühle im Coaching so stehen wie sie stehen

Wenn du zu mir ins Coaching kommst, hast du ein Anliegen, bei dem du alleine nicht weiterkommst, und bei dem es dir vielleicht manchmal schwerfällt, Worte zu finden. Ich möchte dir die Atmosphäre so einladend wie möglich gestalten, deswegen stelle ich bei einem Live-Coaching die Stühle immer leicht versetzt zueinander, niemals direkt gegenüber.

Der Winkel ist so, dass es für dich ganz einfach ist, mich direkt anzusehen. Und dass es genauso leicht ist, deinen Blick durch den Raum schweifen zu lassen, weil deine Gedanken einen Moment lang eine größere Distanz zu mir als Coach brauchen. Im Online-Coaching ist diese gewisse, für schwierige Gespräche hilfreiche Distanz übrigens automatisch da, weil wir beide selten direkt in die Kamera gucken.

Coaching-Raum
Die beiden lila Sessel, die im Coaching-Raum schräg zueinander stehen, eignen sich sowohl für die Zwei-Punkt- als auch für die Drei-Punkt-Kommunikation

Drei-Punkt-Kommunikation als Basis für verschiedene Coaching-Methoden

Es gibt auch einige Coaching-Methoden, die ganz direkt mit der Drei-Punkt-Kommunikation verknüpft sind. Jedes Mal, wenn ich etwas auf einem Kärtchen notiere und du es im Raum auslegst, haben wir einen Visualisierungspunkt geschaffen, auf den ich mich in meinem Coaching beziehe.

Auch Figurenaufstellungen, bei denen über z. B. mit Holzfiguren oder anderen Gegenständen ein inneres Bild visualisiert wird, funktionieren über die Drei-Punkt-Kommunikation: Während wir über dein Anliegen sprechen, blicken wir auf die Konstellation der Figuren auf dem Tisch vor uns.

Innere Konflikte bearbeiten mit der Drei-Punkt-Kommunikation

Während des Coachings kommen wir früher oder später zu einem inneren Konflikt bei dir. Das ist ein Zeichen dafür, dass dein inneres Team sich gerade streitet. Oder dass ein Teammitglied sich vernachlässigt fühlt, Angst hat oder leidet. Am Anfang des Coaching-Prozesses nimmst du diese inneren Teammitglieder in der Regel ganz nah bei dir wahr. Typische Sätze sind dann “Ich bin so wütend darüber, dass…” oder “Ich fühle mich wie gelähmt beim Gedanken an…”.

Teil meiner Arbeit ist es, dir zu ermöglichen, diese Anteile etwas weiter weg wahrzunehmen. Sobald das gelungen ist, gibt es einen dritten Punkt im Konflikt mit dir selbst. Nicht du bist wie gelähmt, sondern ein Persönlichkeitsanteil von dir ist es. Du hast dich nur mit ihm verwechselt – kein Wunder, wenn er dich ganz ausgefüllt hat. Sobald wir erarbeitet haben, welcher Anteil sich gerade von wo meldet, können wir über deine Angst, deine Wut, deine Zerissenheit in der dritten Person sprechen.

Ab dann gibt es einen dritten Punkt in deinem inneren Konflikt. So kannst du wieder zur Ruhe kommen, liebevoller mit dir umgehen und vielleicht auch eine Entscheidung treffen. Die Sachebene ist jetzt durch den visualisierten inneren Anteil getrennt von der Beziehung zu dir selbst und wird von anderen Gehirnzellen bearbeitet.

Klingt cool? Dann arbeite mit mir!

Gefällt dir mein Ansatz im Coaching, es dir so einfach wie möglich zu machen über schwierige Dinge zu sprechen? Dann arbeite mit mir! Wenn du mehr wissen willst, lies mal in meine 5 Tipps rein, wie du ein Coaching am besten für dich nutzt.

Wenn du in Berlin wohnst, treffe ich mich sehr gerne mit dir für ein persönliches 1:1-Coaching. Und alle anderen Orte der Welt sind nur einen Videocall entfernt, ein Online-Coaching ist genauso gut möglich.

P.S.: Dieser Artikel ist im Rahmen der Blog-Dekade 2022 entstanden, einer Challenge, an der viele Bloggerinnen aus der Content Society teilnehmen. Bis zu zehn Blog-Artikel in zehn Tagen können dabei entstehen. Hört sich völlig verrückt an? Find ich auch! Und deswegen bin ich dabei.

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Kategorisiert in Coaching

5 Kommentare

  1. Liebe Djuke,
    danke für diesen interessanten Artikel. Die 3 Punkt-Kommunikation war mir bisher nicht bekannt, ihr Vorteil leuchtet mir aber spontan ein. Jetzt erst ist mir klar geworden, wie wenig sinnvoll es war, wenn ich in Konflikten auf einen Augenkontakt gedrängt habe…. Das werde ich ab nun ändern!
    Liebe Grüße
    Heidrun

  2. Was für ein interessanter Artikel! Von der Drei-Punkt-Kommunikation habe ich bisher noch nichts gehört. Wieder was gelernt. Das werde ich ganz bewusst probieren. Vielen Dank dafür!

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