“Ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten” – oder vielleicht doch?

Falls du auch zu den Menschen gehörst, die denken “Ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten” und deswegen am liebsten alles mit sich selbst ausmachen: Willkommen im Club! Du bist nicht allein. Das ist ein weit verbreiteter Glaubenssatz, der mir sehr oft in Coachings begegnet. Auch ich selbst habe ihn lange mit mir rumgetragen.

Das Vertrackte daran war: Weil es mir schwerfiel, mit anderen über Dinge zu reden, die gerade nicht gut liefen, konnte ich auch nicht sagen, dass ich ein Problem damit habe, über Probleme zu reden. Eine Zwickmühle, die mein Leben extrem mühsam gemacht hat.

Bei mir hatte dieser Glaubenssatz Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte Zeit, um sich in meinem Gehirn einzunisten. Aus einer gemütlichen Ecke in meinem Unbewussten heraus hat er bestimmt, was ich über mich und andere gedacht habe und was ich getan habe – oder eben nicht.

“Ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten” – dieser Gedanke macht den Alltag nicht nur schwerer als er sein müsste, sondern der Glaubenssatz macht auch blind für mögliche andere Sichtweisen auf die Welt. In diesem Blogartikel biete ich dir einige Denkanstöße dazu, wie du selbst deinen Glaubenssatz hinterfragen kannst. Vielleicht hilft dir der Perspektivwechsel dabei, die Welt mit neuen Augen zu sehen. Für mich persönlich war Perspektivwechsel Nr. 4 die krasseste neue Erkenntnis.

1. Perspektivwechsel: Du kannst nicht wissen, ob du eine Belastung bist

Wenn du glaubst, dass du andere nervst und denkst “ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten”, bist du vermutlich ein sehr reflektierter Mensch. Ich wette, du neigst nicht dazu, andere ohne Punkt und Komma zuzutexten. Stimmt’s?

Denk mal an einen Moment, als du dir trotz deines Glaubenssatzes ein Herz gefasst hast und mit jemandem über ein Problem geredet hast. Ich vermute, die andere Person hat dir zugehört, Mitgefühl gezeigt und dir vielleicht sogar dabei geholfen, die Situation zu verbessern – falls das dein Anliegen war.

Mein Vorschlag für das nächste Mal, wenn dir wieder in den Sinn kommt “Ich bin eine Belastung für andere, wenn ich über meine Probleme rede”: Frag dich, ob der Gedanke wahr ist.

  • Halt kurz einen Moment inne und frag dich selbst: Kann ich absolut sicher sein, dass dieser Gedanke wahr ist?
  • Nimm dir Zeit, um in dir nach einer Antwort zu suchen.
  • Wenn die Antwort “ja” lautet, frag dich: Woher nehme ich diese Sicherheit? Welchen Beweis gibt es dafür? Gilt das immer oder nur in bestimmten Situationen?
  • Wenn die Antwort “nein” lautet, dann lass die Erkenntnis in dir wirken. Was geschieht, welche anderen Gedanken kommen auf, welche Gefühle gibt es, die vorher nicht da waren?

Ich würde eine Wette darauf abschließen, dass du zu dem Schluss kommst: “Ich kann nicht mit Sicherheit wissen, ob ich andere mit meinen Problemen belaste.” Einfach aus dem Grund, dass du keine Gedanken lesen kannst. Falls du wider Erwarten doch in die Köpfe anderer Leute schauen kannst, melde dich unbedingt bei mir und zeig mir, wie es geht. Das würde ich wirklich gern lernen!

2. Perspektivwechsel: Du belastest nicht andere, sondern DICH SELBST mit deinen Problemen

“Ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten” – das ist nur einer von vielen, vielen Gedanken, die dir jeden Tag durch den Kopf schwirren.

Probier mal, wie es sich anfühlt, den Gedanken umzukehren, zum Beispiel so: “Ich belaste mich selbst mit meinen Problemen.” Erstmal ungewohnt? Herzlichen Glückwunsch, du hast dein Gehirn überlistet und einen neuen Gedanken in dein Bewusstsein gelotst.

Mein Vorschlag: Denk daran weiter! Mögliche Fragen, die du dir dabei stellen kannst:

  • Wie fühlt es sich an, wenn du all das für dich behältst, was sich an Problemen im Alltag anhäuft? Gehst du leichtfüßig an eine neue Aufgabe heran oder fällt vielleicht schon das Aufstehen schwer?
  • Was denkst du über dich selbst, wenn sich in dir dieser Problemberg auftürmt? Wie redest du mit dir – liebevoll und nachsichtig wie mit deiner besten Freundin oder in vorwurfsvollem Ton?
  • Hast du noch einen Überblick über das, was wichtig ist und was nicht?

Wenn du dir selbst diese Fragen beantwortest, können Gefühle aufkommen, die du bisher nicht hattest. Einfach weil du Gedanken denkst, die lange in deinem Unbewussten versteckt waren. Es kann helfen, alles aufzuschreiben – Notizblock, Bullet Journal, ein digitales Tagebuch, …

Ein Mann schiebt alleine eine schwere Last auf einem Lastenrad.
Machst du am liebsten alles mit dir alleine aus, weil du andere nicht belasten willst? Kenne ich. Macht das Leben sehr anstrengend.

3. Perspektivwechsel: Du bist eine Belastung für andere, wenn du ihnen NICHT von deinen Problemen erzählst

Klingt paradox? Großartig. Denn das ist eine weitere “alternative” Wahrheit zu deinem Glaubenssatz: “Ich kann andere nicht mit meinen Problemen belasten”.

Du hast vermutlich Menschen, die dir nahestehen. Stell dir vor, wie es wäre, wenn sie dir kaum noch aus ihrem Leben erzählen würden. Oder nur über die sonnigen Tage. Was würdest du denken?

  • Würdest du dir Sorgen um sie machen, weil sie sich verschließen?
  • Fragst du dich voll Selbstzweifel, ob du etwas falsch gemacht hast oder ob du irgendwann mal ihr Vertrauen missbraucht hast?
  • Fühlst du dich anderen Menschen näher oder ferner, wenn du weißt, was sie belastet?
  • Es könnte sogar sein, dass du sie arrogant findest, da sie dir eine Welt ohne Probleme vorspielen.

Die Gedanken, die du hast, wenn jemand nach außen nur eine heile Fassade zeigt, haben wahrscheinlich andere über dich, wenn du alles für dich behältst. Es könnte also durchaus sein, dass du andere belastest, wenn du ihnen nicht von deinen Problemen erzählst.

4. Perspektivwechsel: Andere Menschen würden sich freuen, von deinen Problemen zu erfahren

Vermutlich kannst du selbst sehr gut zuhören und hast immer ein offenes Ohr für andere. Und vielleicht findest du es sogar schön, dass dein Gegenüber dir vertraut. Hast du schon einmal daran gedacht, dass es bei anderen möglicherweise genauso ist?

Es könnte doch sein, dass Menschen, die dir nahe stehen, sich darüber freuen, wenn du sie ins Vertrauen ziehst.

Wir Menschen brauchen Kontakt und sozialen Austausch, um uns wohl zu fühlen. Das gibt uns die Sicherheit, dass wir nicht allein in der Welt sind. Geteiltes Leid schafft sogar noch eine tiefere Verbindung als geteiltes Glück. Es macht unser Gegenüber verletzlich, auf gute Art. Es lässt uns Nähe und Verbundenheit fühlen. Und was gibt es Schöneres auf der Welt?

Blockierende Glaubenssätze nachhaltig auflösen durch Coaching

Negative Glaubenssätze sind hartnäckige kleine Biester. Zu wissen, mit welchen Gedanken du dich selbst blockierst, ist schon mal ein guter Schritt zu einem Leben, das leichter und einfacher ist als bisher. Allerdings: Negative Glaubenssätze sind Rudeltiere, und zwar sehr scheue. Sie verstecken sich als ganze Familie in deinem Unbewussten und lassen sich auch durch große Willenskraft nicht rauslocken.

Im Coaching unterstütze ich dich dabei, negative Glaubenssätze zu erkennen, die dir bisher gar nicht bewusst waren. Im zweiten Schritt lösen wir sie gemeinsam auf. Danach finden wir heraus, was diese neue Sicht auf die Welt für dein Leben bedeutet und wie du sie nachhaltig in deinen Alltag integrierst.

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Kategorisiert in Coaching

2 Kommentare

  1. An deinem Blog gefällt mir sehr, dass du die Themen immer wunderbar erfasst und wie immer mit einem Augenzwinkern transportierst. Ich freue mich auf meine Coaching-Stunde bei Dir!
    Liebe Grüße Stefanie

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